Eine ganze Woche ist ganz schön viel Zeit für Minsk. Nachdem ich gestern im botanischen Garten war und abends in "Schwanensee" bin ich jetzt im Café der Nationalbibliothek. Vorher bummelte ich etwas durch die Grünanlagen an einem Wasserlauf. Im 23. Stock gibt es eine Aussichtsplattform, das Café ist eine Etage tiefer. Es gibt leckere Eierkuchen hier und das Gebäude selbst ist allemal sehenswert. Für heute Abend muss ich mir noch ein Kulturprogramm suchen...
Zum Baikalsee: Abenteuer in Russland und Kasachstan. Gegen weiße Flecken in unseren Köpfen.
Sechs Monate Sabbatical auf dem Fahrrad - von Mittelsachsen zum Baikalsee und weiter in die Mongolei nach Ulan-Bataar.
Freitag, 13. Mai 2016
Donnerstag, 12. Mai 2016
12.05.2016 Minsk
Ohne Fahrrad bin ich nun trotzdem in Minsk - jetzt, wo ich den Aufwand für das Visum betrieben hatte. Die Stadt ist nicht gerade schön, wenn man sie mit unseren westeuropäischen Augen betrachtet. Kaum ein Stein steht noch auf dem anderen. Selbst in den vergangenen 25 Jahren muss sich noch einmal alles geändert haben. Die Reste der Altstadt sind so unbedeutend, dass man nicht einmal von Altstadt reden kann. Es gibt eine Kirche und ein Kloster und ein paar ältere Häuser. Viel Architektur aus der Stalinzeit ist zu sehen: gut erhalten und eigentlich doch auch beeindruckend.
Spannender ist, dass Minsk unseren westeuropäischen Städten in nichts nachsteht. Es gibt richtig gute Radwege, die Stadt ist sauberer als manche deutsche Stadt. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Graffiti und Plakate hier kaum zu sehen sind - wohl wegen der stärkeren Staatsgewalt. Überall gibt es Dienstleister, die die Straßen fegen, Blumen Pflanzen, Grünanlagen pflegen. Die Pubs sind gut belebt und Lifemusik ist populär. Am besten gefällt mir, dass viele Menschen auf der Straße sind. Die Mädels und Frauen sind sehr modisch gekleidet. Fast schon aufgedonnert und oft mit high heels im Alltag. Da wird mir gerade bewußt, dass ich nur sehr wenige ganz alte hier gesehen habe. Vielleicht ist Minsk zu teuer?
Wer Rußland noch im Umbruch erleben will, der sollte sich Astrachan am Wolgadelta ansehen. Das war viel spannender als Minsk.
Ich bin jetzt im riesigen botanischen Garten. Eine schöne Erholungsoase in der Stadt. Botanisch ist er eher nicht so interessant. Eher ein großer Park mit Schildern an den Pflanzen. Aber eben auch vielen Besuchern.
Freitag, 29. April 2016
30.04.2016 Abbruch - Aufschub
Jetzt ist alles da - die Visa, die letzten bestellten Kleinigkeiten. Und selbst das Wetter wäre perfekt für den Start. Aber ich bin kein bißchen traurig darüber. Später gibt es einen neuen Anlauf 😀.
Donnerstag, 28. April 2016
29.04.2016 Zu Hause
Die Reise ist gecancelt. Ich bleibe zu Hause.
Der Grund ist so überraschend wie schön:
Das Gericht hat am Montag einem Vergleich zugestimmt: wir werden ab August mit den Kindern ein Wechselmodell haben. Die Kinder sind abwechselnd je eine Woche bei der Mutter, dann bei mir. Bis dahin ist noch Zeit, sich langsam daran zu gewöhnen. Bis zu den Sommerferien haben wir fünf Tage zusammen. In die Ferien teilen wir uns rein.
Weil das ja einer der großen Gründe (neben der Unzufriedenheit auf Arbeit) für die Reise war, muss und will ich jetzt nicht mehr weg. Den Traum schiebe ich auf für die Zeit, wenn die Kinder erwachsen werden und eigene Wege gehen. Ich bin total glücklich und verstehe immer noch nicht, wie es zu dieser völlig unerwarteten Wendung in der zweistündigen Verhandlung kam. Eine Herausforderung wird das jetzt auch. Spannender und schöner noch als die Reise: der Alltag zusammen und die unwiederbringliche Zeit zusammen mit Yamuna und Benjamin, solange sie noch einen Vater brauchen. Ich freu mich drauf.
Dienstag, 19. April 2016
20.04.2016 Vorbereitung
Das weißrussische Visum ist im Pass. Jetzt wird der Pass in Hamburg für Russland bearbeitet. Nur noch dieses Visum fehlt. Das für die optionale Weiterreise nach China versuche ich in Ulan-Bator zu bekommen.
Der Online-Wetterbericht blickt inzwischen bis Mittwoch kommender Woche - und da sieht es noch nicht so gut aus: teilweise Sonne - aber 9 Liter Regen und maximal 9 Grad. Am 29.4. könnte ich starten, weil schon der Donnerstag mein letzter Arbeitstag sein wird. Schauen wir mal... Es gibt noch viel zu organisieren.
Sonntag, 17. April 2016
17.04.2016 Planung
Das Rad habe ich über Ostern schon auf einer ersten Tour an die Ostsee getestet, meine Kondition ebenso. Die Taschen sind weitestgehend gepackt - und es gibt noch einige Dinge zu organisieren, damit in den sechs Monaten meiner Abwesenheit keine Überraschungen eintreten.
Google MapsWenn die Zeit bis Ende Oktober ausreicht, alles gut geht und in Ulan-Bataar ein Visum für China zu erhalten ist, verlängere ich die Reise bis Peking. Die 1200km sollten dann keine Rolle mehr spielen. Oder ich umrunde den Baikalsee. Oder ...
Ich bin mir über das Ziel der Reise noch nicht ganz im Klaren. Ich weiß nur, dass ich Ende Oktober zurück sein will und sicher zurück fliegen werde.
Das Warum für diesen Schritt und diese Entscheidung ist komplex - zu komplex und persönlich um das hier offen zu legen. Aber so viel kann ich hier preisgeben: ich war unzufrieden mit meiner Arbeit. Ich arbeite erfolgsorientiert im Vertrieb, mit Festgehalt ohne Provisionsanspruch. In einer Branche, in der Erfolg durch einen völlig übersättigten Markt nur durch Verdrängung zu erreichen ist. Kunden, die ihren Lieferanten wechseln, machen sich in gewisser Weise langfristig abhängig vom neuen Lieferanten und wechseln daher nur, wenn es entscheidende technologische oder logistische Vorteile gibt. Finanzielle Vorteile sind nur schwer und in Ausnahmefällen erreichbar. Ich habe zwei Jahre um Erfolg gekämpft, mit viel Kreativität und Fleiß den Markt bearbeitet. Im letzten halben Jahr habe ich mit einem Team von Kollegen einen Vertrag zum Abschluß gebracht, der zu den größten Neukundenaufträgen der recht jungen Firmengeschichte zählt. Und nicht einmal dafür gab es Anerkennung oder auch nur ein einziges Wort des Dankes. Und gerade das habe ich dringend gebraucht, um mich weiter für neue Erfolge zu motivieren. Dies vor allem, weil meine Ehe vor zwei Jahren gescheitert war, ich das Gefühl habe, dass sich auch meine Kinder von mir abgewendet haben und weil ich gerade in der Arbeit Halt gesucht hatte.
Nun setze ich mir wieder selbst meine Ziele und nur ich bin verantwortlich für den Erfolg. Abhängig bin ich von Wetter und Wind, meinem alten Diamant-Rad und seiner Zuverlässigkeit, von Straßen- und Verkehrsverhältnissen. Von meiner Gesundheit und Kondition, meinem Willen und meinem Durchhaltevermögen. Und ich hoffe, dass alles wenigstens ebenso gut gehen wird, wie auf meinen letzten beiden Fahrradreisen:
bo-reist-nach-tallinn.blogspot.de
bo-reist-nach-samarkand.blogspot.de
Das zusammengenommen waren auch schon 10.000km, die mein altes Montezuma-Rad mich begleitet hat. Es soll noch einmal soviel durchhalten - viele wichtige Komponenten sind gewechselt: der komplette Antrieb, die Räder, der Lenker. Eigentlich ist außer dem gemufften, neu pulverbeschichteten Rahmen nicht mehr viel übrig vom Original.