Sonntag, 17. April 2016

17.04.2016 Planung

Noch plane ich. Der Job ist gekündigt. Die Visa sind beantragt, das Kasachische ist schon im Pass eingetragen. Ich hoffe, dass ich die übrigen nötigen Visa alle bekomme und dass ab 30.4. eine Grosswetterlage ist, die mir den Start von zu Hause ermöglicht.
Das Rad habe ich über Ostern schon auf einer ersten Tour an die Ostsee getestet, meine Kondition ebenso. Die Taschen sind weitestgehend gepackt - und es gibt noch einige Dinge zu organisieren, damit in den sechs Monaten meiner Abwesenheit keine Überraschungen eintreten.
Google Maps
Wenn  die Zeit bis Ende Oktober ausreicht, alles gut geht und in Ulan-Bataar ein Visum für China zu erhalten ist, verlängere ich die Reise bis Peking. Die 1200km sollten dann keine Rolle mehr spielen. Oder ich umrunde den Baikalsee. Oder ...
Ich bin mir über das Ziel der Reise noch nicht ganz im Klaren. Ich weiß nur, dass ich Ende Oktober zurück sein will und sicher zurück fliegen werde.

Das Warum für diesen Schritt und diese Entscheidung ist komplex - zu komplex und persönlich um das hier offen zu legen. Aber so viel kann ich hier preisgeben: ich war unzufrieden mit meiner Arbeit. Ich arbeite erfolgsorientiert im Vertrieb, mit Festgehalt ohne Provisionsanspruch. In einer Branche, in der Erfolg durch einen völlig übersättigten Markt nur durch Verdrängung zu erreichen ist. Kunden, die ihren Lieferanten wechseln, machen sich in gewisser Weise langfristig abhängig vom neuen Lieferanten und wechseln daher nur, wenn es entscheidende technologische oder logistische Vorteile gibt. Finanzielle Vorteile sind nur schwer und in Ausnahmefällen erreichbar. Ich habe zwei Jahre um Erfolg gekämpft, mit viel Kreativität und Fleiß den Markt bearbeitet. Im letzten halben Jahr habe ich mit einem Team von Kollegen einen Vertrag zum Abschluß gebracht, der zu den größten Neukundenaufträgen der recht jungen Firmengeschichte zählt. Und nicht einmal dafür gab es Anerkennung oder auch nur ein einziges Wort des Dankes. Und gerade das habe ich dringend gebraucht, um mich weiter für neue Erfolge zu motivieren. Dies vor allem, weil meine Ehe vor zwei Jahren gescheitert war, ich das Gefühl habe, dass sich auch meine Kinder von mir abgewendet haben und weil ich gerade in der Arbeit Halt gesucht hatte.

Nun setze ich mir wieder selbst meine Ziele und nur ich bin verantwortlich für den Erfolg. Abhängig bin ich von Wetter und Wind, meinem alten Diamant-Rad und seiner Zuverlässigkeit, von Straßen- und Verkehrsverhältnissen. Von meiner Gesundheit und Kondition, meinem Willen und meinem Durchhaltevermögen. Und ich hoffe, dass alles wenigstens ebenso gut gehen wird, wie auf meinen letzten beiden Fahrradreisen:
bo-reist-nach-tallinn.blogspot.de

bo-reist-nach-samarkand.blogspot.de
Das zusammengenommen waren auch schon 10.000km, die mein altes Montezuma-Rad mich begleitet hat. Es soll noch einmal soviel durchhalten - viele wichtige Komponenten sind gewechselt: der komplette Antrieb, die Räder, der Lenker. Eigentlich ist außer dem gemufften, neu pulverbeschichteten Rahmen nicht mehr viel übrig vom Original.